Womit Menschen zu mir kommen

Bei diesen Beschreibungen handelt es sich nicht um Diagnosen. Es handelt sich um beispielhafte Darstellungen von Situationen, wie sie von Menschen geschildert werden, die zum ersten Mal in meiner Praxis Platz nehmen. Vielleicht finden Sie sich in einem, in mehreren oder in keinem dieser Fälle wieder. Das ist nicht ungewöhnlich – Menschen bringen selten ein klar umrissenes Problem mit.

Wenn es akut ist, warten Sie nicht auf einen Therapieplatz.
Sozialpsychiatrischer Notdienst 01 313 30, rund um die Uhr · Kriseninterventionszentrum Wien 01 406 95 95, Mo–Fr 10–17 Uhr · Bei unmittelbarer Gefahr 144

Depression

Woran Sie eine Depression bei sich bemerken könnten

Depression wird oft verwechselt mit einer intensiven Form der Traurigkeit. Vielmehr ist es ein Gefühl der Leere, bei dem alle Energie, Freude und Antrieb verloren gehen. Der Wecker klingelt, und Aufstehen ist plötzlich eine Entscheidung, die getroffen werden muss. Post bleibt ungeöffnet. Verabredungen werden abgesagt, und irgendwann kommen keine mehr.

Nicht selten macht sich zu Beginn erst der Körper bemerkbar: Rückenschmerzen, Magenprobleme, ein Schlaf, der nicht erholt. Menschen beschreiben sich vor allem als erschöpft.

Sätze, die dabei häufig fallen:

„Ich bin halt so.“

„Das steht mir nicht zu.“

„Anderen geht es schlechter, und die jammern nicht.“

„Ich müsste mich einfach zusammenreißen.“

Dazu kommt fast immer Scham. Das Gefühl, versagt zu haben an etwas, das für andere selbstverständlich scheint.

Was in der Therapie passiert

Wir sprechen. Es gibt keine Übungsblätter, keine Hausaufgaben. In den ersten Stunden erzählen Sie, und ich höre zu und frage nach. Im Rahmen der Erstgespräche kann ich so einen Eindruck von Ihnen bekommen und eine Diagnose stellen, um die Behandlung zu planen.

Es wird auch um Muster gehen. Depressive Zustände haben oft eine Vorgeschichte, die weit zurückreicht. Gleichzeitig ist es wichtig, auch das Hier und Jetzt und Ihre Lebensrealität und materiellen Umstände im Auge zu behalten und zu dieser Geschichte in Beziehung zu setzen.

Was realistisch ist

Bei einer erstmaligen depressiven Episode mit erkennbarem Auslöser sind 25 bis 50 Stunden ein üblicher Rahmen, meist einmal wöchentlich. Wenn depressive Zustände wiederkehren oder seit Jahren bestehen, dauert es in der Regel länger.

Auch eine Besserung der Symptome benötigt Zeit. Gerade zu Beginn einer Behandlung kann es sein, dass Sie sich zunächst schlechter fühlen, weil Dinge zur Sprache kommen, die lange unbesprochen waren. Therapie ist ein Prozess, der Zeit benötigt.

Wann Psychotherapie allein nicht genügt

Bei schweren Depressionen ist eine begleitende medikamentöse Behandlung oft sinnvoll. Wenn ich den Eindruck habe, dass eine fachärztliche Abklärung angezeigt ist, werde ich Ihnen das mitteilen.

Auch körperliche Ursachen sollten abgeklärt sein, da sie depressive Zustände erzeugen oder verstärken können. Falls das noch nicht geschehen ist, empfehle ich einen Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Wenn Sie an Suizid denken, warten Sie nicht auf einen Therapieplatz. Sozialpsychiatrischer Notdienst 01 313 30, rund um die Uhr erreichbar.

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Ängste und Panikattacken

Woran Sie eine Angststörung bei sich bemerken könnten

Wir alle kennen das Gefühl von Angst. Zum Problem wird sie dann, wenn sie anfängt, Sie in Ihrem Leben zunehmend einzuschränken und Ihren Alltag zu bestimmen. Sie fahren nicht mehr U-Bahn. Sie sagen die Präsentation ab. Sie sitzen in Innenräumen stets in der Nähe der Tür, damit Sie jederzeit rasch raus können. Verdichten sich diese Muster, kann das dazu führen, dass der Raum, in dem Sie sich frei bewegen, jedes Jahr kleiner wird.

Eine Panikattacke fühlt sich nicht wie Angst an, sondern wie eine körperliche Katastrophe: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, das Gefühl, gleich zu sterben oder den Verstand zu verlieren. Viele Menschen landen zuerst beim Arzt oder sogar in der Notaufnahme. Sie bekommen ein unauffälliges EKG und werden nach Hause geschickt. Das ist beunruhigend und hilft nicht, weil die nächste Attacke sich genauso echt anfühlt.

Was Menschen dabei denken:

„Was ist, wenn es mitten in der Besprechung passiert?“

„Ich hab Angst, dass die Angst wiederkommt.“

„Alle merken, dass mit mir etwas nicht stimmt.“

„Wenn ich nur weiß, dass ich jederzeit raus kann, geht’s.“

Häufig werden krankheitswertige Ängste unbehandelt schlimmer. Dann kann es zu einem weiteren Phänomen kommen: die Angst davor, dass die Angst kommt. Die kostet oft mehr Kraft als die Panikattacken selbst.

Was in der Therapie passiert

Ihre Angst hat einen Grund, auch wenn er sich Ihnen im Moment nicht zeigt. Ein Teil der Arbeit besteht darin, herauszufinden, wovor die Angst eigentlich schützt. Angst ist ein Alarmsystem, und Alarmsysteme entstehen als Reaktion auf etwas. Manchmal liegt das lange zurück. Manchmal geht es um etwas Gegenwärtiges, das sich nicht sagen lässt, wie eine kriselnde Beziehung oder eine große Entscheidung, die ansteht. Neben den Wurzeln der Angst wird der Blick also auch darauf liegen, was die Angst am Leben hält.

Was realistisch ist

Panikattacken werden bei vielen Menschen innerhalb von Monaten seltener, sobald die dahinterliegenden Themen bearbeitbar werden. Eine allgemeine Ängstlichkeit, die schon lange zum Leben gehört, verändert sich langsamer, da sie meist tiefer verankert ist.

Wann Psychotherapie allein nicht genügt

Wenn Sie das Haus kaum noch verlassen können oder Alkohol und Beruhigungsmittel einsetzen, um durch den Tag zu kommen, braucht es zusätzlich ärztliche Unterstützung.

Auch Symptome wie Herzrasen und Atemnot sollten vor Therapiebeginn ärztlich abgeklärt werden, um eine körperliche Ursache auszuschließen.

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Burnout, Erschöpfung und Belastung im Beruf

Woran Sie es bei sich bemerken könnten

Der Weg in das Burnout passiert oft schleichend. Bis sie im schlimmsten Fall zusammenbrechen, sind viele Menschen noch im Alltag funktional: Termine werden eingehalten, E-Mails beantwortet, die Arbeit wird erledigt, Kinder von A nach B gebracht.

Und trotzdem fühlt es sich so an, als wären Sie gar nicht mehr wirklich da; so als ob zwischen Ihnen und Ihrem Leben eine Schicht Watte liegt.

Erholung wirkt nicht mehr. Ein Wochenende reicht nicht, ein Urlaub reicht nicht, und nach drei Tagen zu Hause ist die Müdigkeit dieselbe. Der Sonntagabend ist der schlimmste Moment der Woche. Manche werden zynisch und abweisend und erschrecken über sich selbst.

Was dabei gedacht wird:

„Ich funktioniere noch, aber ich bin nicht mehr da.“

„Wenn ich einen Tag ausfalle, bricht alles zusammen.“

„Andere schaffen das doch auch.“

„Ich müsste nur besser organisiert sein.“

Was in der Therapie passiert

Einerseits handelt es sich bei Burnout um ein Problem dabei, sich gut um sich selbst zu kümmern. Es fällt schwer, gesunde Grenzen zu ziehen, die eigenen Ansprüche sind immens hoch, der Selbstwert oft gering. Groß ist oft auch die Angst davor, weniger zu tun, und die Vorstellung, welche Konsequenzen das haben könnte. Vieles davon ist bereits in der eigenen Geschichte angelegt, in Form von Mustern.

Gleichzeitig treffen diese individuellen Faktoren oft auf ein System, das dauerhaft mehr verlangt, als auf gesunde Art zu leisten ist. Häufig sind auch die beruflichen und materiellen Verhältnisse Faktoren, die zum Entstehen und Erhalten der Erkrankung beitragen.

Was realistisch ist

Schnell wirksame Tipps für das „richtige Mindset“, um rasch wieder leistungsfähig zu werden, sind zu Beginn der Behandlung nicht realistisch. Wenn Sie mitten in der Erschöpfung stecken, geht es zunächst um Entlastung. Der erste Schritt dazu ist oft ein Krankenstand. Oft bessert sich die Erschöpfung, sobald auch die Belastung längerfristig gesunken ist. Die therapeutische Arbeit an den Mustern dahinter benötigt allerdings mehr Zeit.

Wann Psychotherapie allein nicht genügt

Erschöpfung, die trotz Entlastung monatelang anhält, gehört ärztlich abgeklärt. Um körperliche Ursachen auszuschließen, ist es daher sinnvoll, eine Diagnostik durch den Hausarzt vornehmen zu lassen.

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Zwänge

Woran Sie eine Zwangsstörung bei sich bemerken könnten

Sie wissen, dass es unsinnig ist. Und trotzdem: Die Einsicht ist da, aber sie hilft nicht.

Sie gehen zurück und prüfen den Herd, obwohl Sie sich erinnern, ihn ausgeschaltet zu haben. Sie waschen sich die Hände, bis sie rissig sind. Sie zählen, ordnen, kontrollieren, und jedes Mal ist es kurz erträglicher.

Zwangsgedanken sind etwas, über das nicht häufig offen gesprochen wird. Aufdringliche Bilder von Gewalt, von etwas Sexuellem, von einem Unglück, das man selbst verursacht, sind Beispiele dafür. Oft ist die Scham darüber so groß, dass jahrelang niemandem davon erzählt wird. Besonders schwer fällt das, da es häufig Gedanken sind, die dem eigenen Wesen genau entgegenstehen. Gerade das macht diese Gedanken so quälend.

Was dabei gedacht wird:

„Ich weiß, dass es Unsinn ist, und mache es trotzdem.“

„Wenn ich es nicht tue, passiert etwas Schlimmes.“

„Wenn jemand wüsste, was mir durch den Kopf geht.“

„Nur noch dieses eine Mal, dann höre ich auf.“

Was in der Therapie passiert

Zuerst muss aussprechbar werden, was bisher unaussprechbar geblieben ist. Bei Zwangsgedanken ist das oft schon die halbe Arbeit. Als hilfreich empfinden dabei viele die Verschwiegenheitspflicht des Therapeuten. Was hier gesagt wird, bleibt hier, und ich bewerte es nicht.

Danach geht es um die Frage, welcher Sinn in diesen scheinbar sinnlosen Handlungen steckt. Zwänge sind ein Versuch, Kontrolle über etwas zu gewinnen, das sich nicht kontrollieren lässt. Fast immer steckt eine große, schlecht greifbare Angst dahinter. Dieser Prozess des Verstehens und des Möglichmachens von Alternativen benötigt Zeit.

Was realistisch ist

Zwänge sind hartnäckig und erfordern oft eine mehrjährige Behandlung, fallweise mit zwei Stunden pro Woche.

Es gibt Verfahren, die schneller an den Symptomen ansetzen. Dazu zählen insbesondere Expositionsverfahren aus der Verhaltenstherapie. Wenn Sie vor allem die Rituale loswerden wollen, ist das möglicherweise der passendere Weg. Ein psychodynamischer Ansatz dagegen versucht, Ihnen dabei zu helfen, ein tiefgreifendes Verstehen der Symptome zu ermöglichen, und kann dabei helfen, auch innerlich freier zu werden.

Wann Psychotherapie allein nicht genügt

Wenn Zwänge mehrere Stunden am Tag beanspruchen, kann eine begleitende medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Dafür braucht es einen Facharzt für Psychiatrie, der das mit Ihnen gemeinsam abklärt.

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Schlafstörungen und körperliche Beschwerden

Woran Sie es bei sich bemerken könnten

Sie liegen wach. Nicht weil Sie über etwas Bestimmtes nachdenken, sondern weil alles auf Sie einprasselt, was tagsüber keinen Platz bekommen hat. Oder Sie schlafen ein und sind um drei wieder wach, und dann kreisen die Gedanken unaufhörlich.

Oder der Körper meldet sich. Rückenschmerzen, für die niemand eine Ursache findet. Magen-Darm-Beschwerden, die ständig kommen und gehen. Ein Druck auf der Brust, Herzrasen, ein Kloß im Hals, Schwindel. Sie waren bei mehreren Ärzt:innen, alles war unauffällig. Am Ende sitzen Sie mit lauter Befunden da, die Ihnen sagen, was Sie alles nicht haben.

Was dabei gesagt wird:

„Bei mir wurde nichts gefunden.“

„Der Arzt meinte, das sei psychisch. Was soll ich damit anfangen?“

„Ich bin doch nicht verrückt, das tut wirklich weh.“

„Ich hab schon alles probiert.“

In diesem Fall ist es gut möglich, dass es sich um psychosomatische Symptome handelt. Wichtig ist dabei: Psychosomatisch bedeutet nicht eingebildet. Der Schmerz ist real, der Schlafmangel ist real. Körper und Psyche sind eng miteinander verwoben. Daher findet manchmal etwas nur körperlich seinen Ausdruck, das psychisch nicht artikuliert werden kann.

Was in der Therapie passiert

Zuallererst nehme ich Ihr Symptom ernst und stecke Sie nicht in eine Schublade. Stattdessen schauen wir, wann die Beschwerden auftreten und wann nicht. Wann sie begonnen haben und was damals in Ihrem Leben los war. Oft zeigt sich im gemeinsamen Nachdenken ein Zusammenhang, den man vorher nicht sieht.

Bei Schlafstörungen geht es häufig um etwas Einfaches und Schwieriges zugleich: Der Abend ist der erste Moment des Tages, in dem nichts ablenkt. Was tagsüber weggeschoben wird, kommt dann. Solange es keinen anderen Ort hat, wird es diesen behalten.

Was realistisch ist

Schlafstörungen bessern sich häufig innerhalb weniger Monate, wenn das Dahinterliegende bearbeitbar wird.

Körperliche Beschwerden, die seit Jahren bestehen, brauchen länger. Zuerst ändert sich der Umgang mit dem Symptom, dann das Symptom selbst.

Wann Psychotherapie allein nicht genügt

Körperliche Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt, bevor wir psychotherapeutisch daran arbeiten. Bei anhaltender Schlaflosigkeit lohnt sich zusätzlich eine schlafmedizinische Abklärung.

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Trauer und Verlust

Woran Sie es bei sich bemerken könnten

Trauer folgt keinem Plan und keinen fünf Phasen. Sie lässt sich nicht einfach ordnen und beiseiteschieben. Es gibt Tage, an denen es geht, dann plötzlich ein bestimmtes Bild, ein vertrauter Geruch, und Sie sind wieder am Anfang.

Was viele überrascht, ist, dass neben einer Traurigkeit, die manchmal endlos wirkt, oft auch ein intensives Gefühl der Wut auftaucht; auf sich selbst oder andere, die einem nahestehen. Verbunden damit ist regelmäßig auch Schuld, weil man so vermeintlich nicht denken sollte.

Was gesagt wird:

„Ich sollte doch langsam darüber hinweg sein.“

„Alle erwarten, dass es weitergeht.“

„Ich weiß nicht, wohin damit.“

„Es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen.“

Trauer betrifft nicht nur Todesfälle. Eine Trennung, eine Fehlgeburt, der Verlust der Gesundheit, das Ende eines Berufslebens, der Abschied von einem Land — all das kann Trauer auslösen. Oft fehlt das Gefühl, von anderen in diesen Situationen ausreichend gesehen und verstanden zu werden, was es schwerer macht.

Was in der Therapie passiert

Trauer ist keine Störung, sondern zutiefst menschlich. Dennoch wirkt es manchmal so, als wäre sie kaum zu ertragen; sowohl allein als auch mit anderen. Therapie kann ein Ort sein, an dem Trauer sein darf, ohne dass jemand vorschnell tröstet, ablenkt, rasche Lösungen anbietet oder ungeduldig auf Fortschritt pocht.

Gerade wenn die Beziehung schwierig war, wenn Dinge ungeklärt geblieben sind, gibt es selten einen Raum, darüber mit anderen nachzudenken und zu sprechen. Die Zeit und den Raum zu bekommen, um diese Aspekte der Person angemessen zu betrauern, ist die Grundvoraussetzung für Veränderung und den Schritt zurück ins Leben.

Was realistisch ist

Trauer und der Schmerz, der mit ihr einhergeht, verschwinden nicht auf einmal. Einen geliebten Menschen zu verlieren, tut weh. Aber mit der Zeit kann die Trauer erträglich werden. Manche brauchen zehn bis zwanzig Stunden, um durch die schwerste Zeit zu kommen. Andere kommen über Jahre wieder, wenn Jahrestage anstehen. Beides ist in Ordnung.

Wann mehr nötig ist

Es gibt Anzeichen dafür, dass aus Trauer eine Depression geworden ist: wenn Sie nach längerer Zeit nicht mehr arbeiten oder den Alltag nicht bewältigen können, wenn Sie sich vollständig zurückziehen, oder wenn Sie denken, ohne die verstorbene Person nicht weiterleben zu wollen. Hier braucht es oft mehr Unterstützung über einen längeren Zeitraum.

Sprechen Sie das an. Wenn es akut ist: Sozialpsychiatrischer Notdienst 01 313 30, rund um die Uhr.

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Lebenskrisen und Übergänge

Woran Sie es bei sich bemerken könnten

Und plötzlich ist alles anders. Was gestern noch stabil schien, wirkt heute, als wäre die Welt aus den Angeln gehoben worden, als wäre der Halt ganz verloren gegangen.

Manchmal ist ein Ereignis dafür verantwortlich, wie eine Trennung, eine Kündigung, eine Diagnose, ein Umzug. Manchmal fehlt ein klarer Auslöser, und von außen betrachtet ist scheinbar alles normal. Und trotzdem stimmt es nicht.

Übergänge sind besonders anfällig. Der Auszug der Kinder. Der Berufseinstieg. Die letzten Jahre vor der Pension. Der Moment, in dem klar wird, dass bestimmte Wege sich geschlossen haben.

Was dabei gedacht wird:

„Ich weiß nicht mehr, wer ich sein soll.“

„Von außen sieht alles gut aus.“

„Ist das jetzt alles?“

„Ich funktioniere, aber es ist nicht mein Leben.“

Was in der Therapie passiert

Selbst die psychisch stabilsten Menschen durchlaufen in ihrem Leben Krisen, die alles in Frage zu stellen scheinen. Was bisher bekannt und sicher schien, ist unsicher geworden. Das macht Angst, eröffnet aber auch Möglichkeiten, das eigene Leben neu zu gestalten und sich neue Räume zu erschließen. Dementsprechend geht es nicht um schnelle Lösungen, sondern darum, gemeinsam nachzudenken und Rückschau zu halten.

Oft ist nicht die Situation selbst die Ursache, sondern eine Vorstellung davon, wie das Leben verlaufen sollte. Die Krise besteht dann darin, dass diese Vorstellung nicht mehr aufgeht. Ein neuer Entwurf fehlt an diesem Punkt noch. Manche Lebensentwürfe hat man nie gewählt, sondern geerbt: von den Eltern, aus der Herkunft, aus dem Milieu. Das bisher Bekannte zu hinterfragen ist unbequem und kann Angst machen, aber es ist auch der Punkt, an dem etwas in Bewegung kommen kann.

Was realistisch ist

Krisen sind zeitlich begrenzt, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Zwanzig bis vierzig Stunden sind ein häufiger Rahmen. Manche merken dabei, dass unter der akuten Krise etwas Grundsätzlicheres liegt, und arbeiten länger weiter.

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Beziehungen und wiederkehrende Konflikte

Woran Sie es bei sich bemerken könnten

Es ist stets derselbe Streit, in einer neuen Beziehung, mit einem anderen Menschen. Oder Sie merken, dass Sie sich immer für einen bestimmten Typ Mensch entscheiden, und es geht immer ähnlich aus.

Vielleicht ist es auch die Familie: ein Elternteil, bei dem Sie nach vierzig Jahren wieder vierzehn sind, sobald Sie das Haus betreten, und das Gefühl haben, ohnmächtig zu sein. Oder die Arbeit: der dritte Vorgesetzte in Folge, mit dem es dieselben Schwierigkeiten gibt.

Was dabei gedacht wird:

„Warum scheitern meine Beziehungen immer?“

„Ich suche mir immer die Falschen.“

„Am Anfang läuft es, und dann kippt es.“

„Bei meiner Mutter werde ich sofort wieder zum Kind.“

„Wieso passiert mir das ständig?“

Diese Muster können sich oft in dramatischen Konflikten entladen und zu plötzlichen Beziehungsabbrüchen führen. Manchmal ist es aber auch ein viel subtileres Gefühl von Distanz: die Überzeugung, in Beziehungen nie ganz anzukommen, auch in langjährigen.

Was in der Therapie passiert

Beziehungsmuster entstehen früh, weil sie einmal sinnvoll waren. Wer als Kind gelernt hat, Konflikte zu vermeiden, weil sie eskalierten, hat damals gut gehandelt. Dass dieselbe Strategie als Erwachsener eine Partnerschaft aushöhlt, ist möglicherweise die Kehrseite.

Solche eingefahrenen Muster sichtbar und bearbeitbar zu machen, dauert, da sie meist außerhalb des Bewusstseins liegen. Hier greift der Unterschied zwischen bloßem Darüberreden und einer Psychotherapie.

Was realistisch ist

Rechnen Sie mit ein bis drei Jahren. Beziehungsmuster gehören zu den stabilsten Dingen im menschlichen Erleben; es fühlt sich dann so an, als wäre es immer schon so gewesen. Einsicht allein verändert diese Muster nicht. Dafür braucht es Zeit und Geduld. In der Behandlung kann dafür auch eine zweite Stunde pro Woche hilfreich sein.

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Selbstwert, Scham und Identität

Woran Sie es bei sich bemerken könnten

Sie haben etwas erreicht, und es zählt trotzdem nicht. Sie wissen genau: Beim nächsten Erfolg wird es wieder nicht zählen. Lob perlt ab, Kritik bleibt haften. Manche Sätze verfolgen Sie jahrelang; auch wenn es nur eine Nebenbemerkung des Gegenübers war.

Oder es ist die Angst vor Entlarvung: dass irgendwann jemand merkt, dass Sie es eigentlich nicht können, dass Sie hier nicht hingehören, ein Schwindler sind, oder dass es Zufall war.

Was dabei gedacht wird:

„Irgendwann merken sie, dass ich nichts kann.“

„Ich gehöre hier nicht her.“

„Das war Glück, nicht Können.“

„Wenn die wüssten, wie ich wirklich bin.“

Scham ist etwas anderes als Schuld. Schuld sagt: Ich habe etwas Falsches getan. Scham sagt: Ich bin falsch. Deshalb wird über sie so selten gesprochen. Scham wirkt im Verborgenen. Dafür gibt es verschiedenste Anlässe und Ursachen.

Manchmal hat das mit Herkunft zu tun. Wer als erster in der Familie studiert hat, wer in Räumen arbeitet, in denen anders gesprochen wird als zu Hause, kennt oft dieses Gefühl, sich zu verstellen. Darüber wird kaum geredet.

Wenn sich dieselben Muster wiederholen

Manchmal geht das innere Erleben über diese Selbstzweifel hinaus. Das ganze Leben ist dann geprägt von heftigen Gefühlsschwankungen und von Beziehungen, die in einem Moment noch ideal und wunderschön wirken und im nächsten Moment nur mehr Verachtung auslösen und den Wunsch, schnell da rauszukommen. Sowohl das Selbstbild als auch die Wahrnehmung der anderen Person schwanken unerklärlich zwischen Extremen; schwarz und weiß. Besonders schmerzhaft ist das, weil es vor allem Menschen betreffen kann, die einem nahestehen.

Bestimmte Umgangsweisen mit sich und anderen sind früh entstanden und dadurch besonders stabil geworden. Was früh entsteht, prägt tief und lässt sich langsamer verändern — nicht gar nicht.

Was in der Therapie passiert

Selbstwert lässt sich nicht durch Zuspruch herstellen. Wenn Sie überzeugt sind, nicht zu genügen, wird jeder Widerspruch von außen daran abprallen. Das kennen Sie schon.

Stattdessen geht es darum, woher die Überzeugung kommt. Meist aus dem, was zu Hause gesagt wurde, wenn jemand Fehler machte. Aus einer Umgebung, in der Zuneigung an Bedingungen geknüpft war. Und es geht um die Frage, wem diese Stimme gehört, die in Ihrem Kopf urteilt. Sie hat oft einen Tonfall, und wenn man lange genug hinhört, erkennt man ihn.

Was realistisch ist

Selbstbilder sind besonders stabil dadurch, dass sie früh entstanden sind. Was oft jahrzehntelang so war, kann nicht über Nacht geändert werden. Eine Therapie kann mehrere Jahre dauern. In solchen Fällen gibt es auch gute Evidenz, dass eine zweite Stunde pro Woche als hilfreich erlebt wird und eine langfristige Änderung begünstigt.

Was sich meist zuerst ändert, ist nicht das Selbstbild, sondern der Abstand dazu. Eine Therapie kann die Fähigkeit stärken, den eigenen Gedanken zuzuhören, ohne ihnen sofort zu glauben.

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Was ich nicht behandle

Akute Suizidalität
Wenn Sie konkrete Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, braucht es sofortige Hilfe, nicht einen Termin in drei Wochen. Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01 313 30, rund um die Uhr. Bei unmittelbarer Gefahr: 144.
Akute psychotische Zustände
Wenn Sie Dinge hören oder sehen, die andere nicht wahrnehmen, oder wenn Sie sich verfolgt fühlen, ist eine fachärztliche Behandlung der erste Schritt. Psychotherapie kann später begleiten.
Substanzentzug
Der körperliche Entzug von Alkohol oder Medikamenten gehört ärztlich überwacht und kann gefährlich sein. Für die Zeit danach kann eine Therapie eine wichtige Begleitung sein.
Essstörungen mit medizinischem Handlungsbedarf
Bei starkem Untergewicht oder regelmäßigem Erbrechen braucht es zuerst medizinische Betreuung. Die Österreichische Gesellschaft für Essstörungen vermittelt weiter.
Komplexe Traumafolgestörungen
Nach intensiver, anhaltender Gewalt und Missbrauch, besonders in der Kindheit, ist ein spezialisiertes Verfahren meist der bessere Weg. Ich sage Ihnen, wenn ich das so sehe, und nenne Ihnen Kolleg:innen.
Gutachten und Atteste
Ich erstelle keine Gutachten für Gerichte, Behörden oder Versicherungen. Das ist eine eigene Tätigkeit mit eigenen Regeln und verträgt sich nicht mit einer therapeutischen Beziehung.

So beginnen Sie

Der erste Kontakt
Schreiben Sie mir oder rufen Sie an. So kann ich mir kurz einen ersten Eindruck von Ihrem Anliegen verschaffen. Dabei kann ich die Rahmenbedingungen für ein Erstgespräch mit Ihnen klären und einen Termin vereinbaren. Ich melde mich in der Regel innerhalb von zwei Werktagen.
Das Erstgespräch
Es dauert 50 Minuten. Sie erzählen, warum Sie kommen, und ich frage nach, um ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen. Sie bekommen dabei einen Eindruck, wie ich arbeite und ob Ihnen das zusagt. Gemeinsam entscheiden wir nach insgesamt drei Erstgesprächen, ob wir langfristig therapeutisch miteinander arbeiten wollen. In den Erstgesprächen klären wir die Rahmenbedingungen und die Frequenz der Behandlung.
Was es kostet
Eine Einzelstunde kostet 80 Euro und dauert 50 Minuten, eine Paarsitzung 140 Euro und 80 Minuten. Eine Refundierung durch die Krankenkasse ist in meiner Praxis nicht möglich. Für Studierende und Menschen mit geringem Einkommen halte ich ein begrenztes Kontingent zu reduzierten Konditionen frei. Fragen Sie einfach nach.
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